Das Projekt „Wildbienenwohnung“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erforscht das Nistverhalten heimischer Wildbienenarten mithilfe standardisierter Nisthilfen. Ziel ist es, zu verstehen, welche Wildbienenart, welche Niströhren-Durchmesser und Nistmaterialien bevorzugen und wie sich Standortfaktoren (Sonne, Windschutz, Vegetation) auf die Belegung auswirken.
Hierzu wurden deutschlandweit 100 einheitlich aufgebaute Nisthilfen für Schulen und Bildungseinrichtungen und weiteren Standorten bereitgestellt. Auch am eTGA befindet sich seit 2025 ein solches spezielles Insektenhotel, welches einen direkten Blick in den Entwicklungszyklus der Wildbienen ermöglicht. Anders als bei der Honigbiene kommt der „Nachwuchs“ bei den Wildbienen nicht in einem großen Bienenvolk zur Welt. Die Mutterbiene sucht sich eine passende Niströhre und stattet diese mit einem Nahrungsvorrat an Pollen und Nektar aus. Ist genug Nahrungsvorrat in die Röhre eingebracht, legt die Biene ein Ei direkt auf dem Vorrat ab. Anschließend wird die Brutzelle verschlossen und direkt davor die nächste Brutzelle angelegt, bis die Niströhre ganz voll ist. Nach ein paar Tagen schlüpft aus dem Ei die Larve und kann sich direkt vom Pollen und Nektar ernähren. Nach etwa 2-4 Wochen baut sich die Larve ein Kokon und entwickelt sich in diesem zur fertigen Wildbiene. Diese startet alleine in ihr neues Bienenleben und sucht sich dann später wieder eine passende Niströhre.
Ende April stand die erste große Bestandsaufnahme an. Schüler*innen der Klasse 6c untersuchten hierfür die unterschiedlichen Niströhren. Es galt zu entscheiden, in welchem Entwicklungsstadium (Ei, Larve oder Kokon) sich die Wildbiene befindet. Durch die Größe der Niströhre und dem verwendeten Material zum Verschließen der Niströhre wurde auch noch die Wildbienenart bestimmt.
Fotos von den Niströhren und die Auswertung der Bebauung der Nisthilfe wurden an die Uni Mainz übermittelt. Die deutschlandweit gesammelten Datensätze ermöglichen standortübergreifende Auswertungen zu Artenvielfalt, Nistplatzwahl und Brutphasen. Die Ergebnisse fließen in Empfehlungen für wirksame Nisthilfen, naturnahe Bepflanzung und bestäuberfreundliche Gestaltung von Schulhöfen und Gärten ein. Zugleich fördert das Projekt Umweltbildung: Kinder, Jugendliche und Interessierte erhalten einen praxisnahen Einblick in wissenschaftliche Methoden und den Schutz bestäubender Insekten. Schulen profitieren von einer forschungsnahen Lernumgebung, während die Universität ein wachsendes, vergleichbares Datennetz zur Ökologie der Wildbienen aufbaut.

